TLAS · Deutschsprachige Beratung · Wege im Vergleich
Erst den Weg festlegen, dann anfangen: vier Weichenstellungen für deutschsprachige Mandanten
Nacharbeit entsteht in Thailand selten im Verfahren selbst, sondern fast immer bei der ersten Weichenstellung. Die Rechtsform entscheidet, ob Sie Rechnungen stellen dürfen; die Form der Beglaubigung entscheidet, ob eine Behörde in Deutschland, Österreich oder der Schweiz das Papier annimmt; die Buchhaltungsform entscheidet, wer bei einer Prüfung Rede und Antwort steht. Unten stehen Voraussetzungen, Dauer und laufende Pflichten nebeneinander.
Gesellschaft oder Repräsentanz: Die Grenze verläuft beim Umsatz
Eine thailändische Gesellschaft darf Verträge schließen, Steuerrechnungen ausstellen und Geld vereinnahmen, und sie trägt Arbeitserlaubnis-Kontingente für ausländische Geschäftsführung. Dafür fallen monatliche Umsatzsteuer- und Quellensteuermeldungen sowie eine Jahresprüfung an. Eine Repräsentanz darf keine Erlöse erzielen; erlaubt sind Beschaffungsprüfung, Marktbeobachtung und Kontakt zur Muttergesellschaft, finanziert aus Überweisungen der Zentrale.
Die Repräsentanz als günstiger Einstieg endet regelmäßig beim ersten Zahlungseingang in einer unerlaubten Geschäftstätigkeit. Die Prüffrage ist schlicht: Wird von Thailand aus fakturiert und kassiert?
Auch die Kontingente unterscheiden sich. Bei der Gesellschaft richten sie sich nach eingezahltem Kapital und thailändischer Belegschaft; die Repräsentanz hat eine feste, knappe Zahl und strengere Bedingungen für mitreisende Angehörige.
BOI-Förderung oder allgemeine Auslandsinvestition
Die BOI-Förderung gilt nur für gelistete Tätigkeiten. Wird sie erteilt, sind volle Anteilsinhaberschaft, Ertragsteuerbefreiung und erleichterte Kontingente möglich, zugleich laufen Berichtspflichten zu Investitionsfortschritt und Beschäftigung weiter; bleiben die Zusagen unerfüllt, droht der Widerruf samt Nachforderung.
Außerhalb der Liste bleiben die Foreign Business Licence oder eine belastbare Beteiligungsstruktur mit thailändischen Gesellschaftern. Wo die Zentrale auf Mehrheitskontrolle besteht, sichern Vorzugsstimmrechte und Benennungsrechte im Board die tatsächliche Steuerung — Strohmannkonstruktionen dagegen sind strafbewehrt und werden von uns nicht aufgesetzt.
Apostille oder Konsularlegalisation: Die annehmende Stelle bestimmt
Thailand wendet das Haager Übereinkommen seit 2024 an, Deutschland, Österreich und die Schweiz sind Vertragsstaaten, sodass die Apostille im Regelfall genügt. Einzelne Standesämter und Registergerichte verlangen dennoch Vorlagen in bestimmter Form; ein kurzer Anruf bei der annehmenden Stelle vor Beginn spart die zweite Runde.
Die Reihenfolge ist unverrückbar: Unterschrift eines in Thailand registrierten Notary Services Attorney oder Originalausfertigung der Behörde, danach das thailändische Außenministerium, bei Bedarf zuletzt die Vertretung Ihres Landes. Wird ein Schritt übersprungen, beginnt der Vorgang von vorn.
Eigene Buchhaltung oder Kanzlei: Wo die Verantwortung liegt
Eigene Kräfte lohnen sich bei hohem Belegaufkommen, doch die Erklärungspflicht bleibt beim Geschäftsführer, und beim Personalwechsel reißt die Übergabe der Konten häufig ab. Bei der Kanzlei zeichnet eine bei der TFAC registrierte Person, die im Prüfungstermin auch auftritt.
Verbreitet ist die Mischform: laufende Erfassung im Haus, monatliche Durchsicht, Meldungen und Abstimmung mit dem Abschlussprüfer bei uns. Nehmen Sie den deutschsprachigen Monatsbericht für die Zentrale ausdrücklich in den Auftrag auf, dann verteilt sich die Last über das Jahr statt sich zum Abschluss zu stauen.
Häufige Fragen
Lässt sich eine Repräsentanz in eine Gesellschaft umwandeln?
Eine Umwandlung gibt es nicht. Üblich ist die Neugründung, die schrittweise Übernahme von Personal und Mietvertrag und danach die Schließung der Repräsentanz, mit einigen Monaten Parallelbetrieb.
Erübrigt eine BOI-Zusage die Foreign Business Licence?
Für die geförderte Tätigkeit ersetzt das auf der Zusage beruhende Foreign Business Certificate den Einzelantrag. Für Geschäfte außerhalb der Zusage bleibt der Antrag nötig.
Ist die Apostille immer schneller?
Wenn die Stelle sie annimmt, entfällt ein Weg und es geht schneller. Bei einer Stelle, die sie nicht annimmt, entsteht doppelte Arbeit — deshalb vorher fragen.
Geht mit der Auslagerung der Buchhaltung auch das Steuerrisiko über?
Nein. Die Erklärungspflicht bleibt bei Gesellschaft und Geschäftsführung; die Kanzlei haftet für Berufsfehler. Sie erhalten von jeder Periode die Belegkopien zur eigenen Ablage.
Zweigniederlassung oder Tochtergesellschaft?
Kann die Zentrale für Verbindlichkeiten direkt einstehen und ist die Projektdauer absehbar, ist die Zweigniederlassung beim Kapitalfluss beweglicher. Für Dauerbetrieb und spätere Anteilsübertragung ist die Tochter klarer.
Wie teuer ist ein Kurswechsel mitten im Verfahren?
Vor der Anmeldung beim Handelsregister ist er gering. Nach Erteilung der Lizenz verlangt der Umbau eine steuerliche Abwicklung und neue Arbeitsverträge, was Kosten und Dauer deutlich erhöht.